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Nachruf

Eines Tages wollte der liebe Gott einen Rennfahrer erschaffen.

Den entgültigen.

senna-g.jpg (37064 Byte)Er legte in das Genblättchen alles rein, was den entgültigen Rennfahrer ausmacht: Talent, Mut, übernatürliche Reflexe, brutaler Egoismus, Ehrgeiz, Rücksichtslosigkeit, eine hohe Intelligenz, Weitblick, Intuition, Instinkt, Ausdauer, Zähigkeit, Gnadenlosigkeit,
Härte, Lernfähigkeit, List, Tücke, technischen Spürsinn, Sensibilität, Charisma und Askese.

Dann nannte er ihn Senna .

Ein Händedruck von Senna war eher schwach. So als wollte er an niemanden etwas von seiner Power vergeuden. Ayrton Senna, der dreifache Weltmeister, war ein sehr gläubiger Mensch, seine Religion gab ihm Kraft zum Übernatürlichen. Sein Glaube an Gott war gewissermassen sein Doping, sein Rivale Alain Prost verhöhnte ihn deswegen :

"Senna glaubt, er hat die Unsterblichkeit gepachtet ..."

Wir glaubten es eigentlich auch, aber im guten Sinne. Er schien gehörnt wie Siegfried. Ohne Schwachstelle.
Jetzt starb er an einer Mauer in Imola - sicher nicht durch einen Fahrfehler. Offenbar war auch das auf seinem Gen-Blättchen vorprogrammiert.

Aus dem Nachruf von Helmut Zwickl in "Motorsport aktuell" vom Mai 1994